Wenn …

… du mehr als eine Stunde deiner 88 Jahre alten Freundin zuhörst, wie sie erst kratzbürstig nüchtern, fast distanziert spricht, und sich doch noch erheitern lässt, war der Tag nicht umsonst.

Sie soll sich für morgen etwas Schönes vornehmen und ein bisschen Hoffnung mit in die Woche nehmen.

Wir wünschten uns eine gute Nacht und fast wie eine Entschuldigung bedankte sie sich dafür, dass ich ihr meinen Feierabend schenkte – das ist doch aber selbstverständlich, im Gegenteil, es war mir eine Freude, sagte ich. Ich danke dir für deinen Anruf, sagte sie.

Sie wird morgen wieder aufstehen und hoffen, dass ihr der Himmel nicht auf den Kopf fällt.

Jeden Tag ein bisschen Hoffnung mitnehmen aufs Ende zu – sie spürt es, sie lebt ihre letzten Tage und hofft, nicht verrückt zu werden. Und auch nicht arm. Ein paar Silberlinge habe sie heute einem alten Mann, der auf seiner Geige rumkratzte, in den Koffer gelegt. Darauf habe er seine Geige noch einmal angehoben und When the Saints Go Marching In gespielt – für sie

Wie rührend, sagte sie.